Nachtschicht an der S-Bahn-Brücke

Presse

Strausberg (MOZ) Der letzte große Schritt für den 20-Minuten-Takt der S-Bahn nach Strausberg-Nord ist vollzogen. In der Nacht zum Dienstag wurde die zweite Brücke über die Garzauer Straße in Position gebracht. Bis Ende des Monats soll der zweigleisige Begegnungsabschnitt betriebsbereit sein.

Es ist Dienstagmorgen, kurz vor 1.30 Uhr. Gerade rollt die letzte S-Bahn in Richtung Nord über die alte Brücke. David Swakowski lässt schon mal den Motor seines 500-Tonnen-Krans an. Für den Mann von der Firma Thömen Autokrane ist die Aktion "nichts Besonderes". Er war mit dem Fahrzeug erst am Nachmittag aus Hamburg angekommen, wo Brücken für die Bahn abgehoben wurden. Und hatte gleich für die Nachtaktion aufgebaut.

Nach einem letzten Pott Kaffee im Baucontainer rückten alsbald auch die Brückenbauer der Firma BUG an. Sie hatten noch auf einen Anruf gewartet, dass die Stromschiene der S-Bahn abgeschaltet ist. Zwei Stunden sollte sie für das Einhängen der Brücke stromlos sein. Ob sie es wirklich war, dazu gab es unterschiedliche Aussagen.

Zumindest waren die vier dicken Ketten vom Kranhaken zum vereinbarten Zeitpunkt um 1.45 Uhr an den Transportösen der Brücke befestigt. Und wenig später bekam der Berliner im Kran-führerhaus das Kommando "auf". "41, komplett 46", gab er den Kollegen außen per Sprechfunk die Zahlen auf seinem Display durch, das das Gewicht des Objekts am Ausleger anzeigt.

Etwa 41 Tonnen wiegt das vom Stahlbau Niesky gefertigte Teil, ist 17,40 Meter lang, etwa 1,30 Meter hoch und mit dem "Gehweg" für dienstliche Zwecke 5,30 Meter breit. Polier Hartmut Lemkau wies noch darauf hin, dass auf das Metall "Unter-Schotter-Matten" für den Lärmschutz aufgeklebt sind.

Entgegen anderen ersten Intentionen verständigten sich die Verantwortlichen, den Metallkoloss nicht über Kran und Bäume hinwegzuheben, sondern in geringer Höhe an der Waldkante vorbeizubugsieren. Langsam. Meter für Meter. Keine 20 Minuten nach dem Start hing die Brücke schon quer über der Garzauer Straße fast in Position. Doch im ersten Anlauf ließ sie sich nicht gleich auf den Hilflagern absetzen. "Zentimeter", rief Lemkau seinen Kollegen auf der anderen Seite zu. Und: "Leicht rüber und ganz langsam ab." "Wo ist der große Meister? Wir sitzen auf", kam von dort zurück. Eine "unglückliche Verkettung von Toleranzen", wie es Bauleiter Thomas Viertel nannte, hatte dazu geführt, dass eine der vier Metallplatten an den Ecken nicht an der Betonkante vorbeipasste. So musste kurzerhand der Bohrhammer ran und wenige Zentimeter wegstemmen. Mit Flaschenzügen wurde die Brücke letztlich noch in die richtige Flucht gebracht, und wenig später konnten die Bauarbeiter mit dem Aufräumen beginnen.

In den nächsten Tagen werden nun noch die eigentlichen Lager auf die auf sechs elf Meter tief gegründeten Betonpfählen ruhenden Widerlager sowie Übergangskonstruktionen montiert. Etwa 60 Kubikmeter Beton seien auf jeder Seite in die Widerlager geflossen, hieß es. Und es seien Vorkehrungen getroffen worden, dass die Reste der alten Lager aus den 1950er-Jahren, die vorerst noch an der Straße stehen bleiben, beim Ausbau des zweiten Brückenteils verschwinden können. Dann wäre Platz für eine breite Straße mit Rad-/Gehweg.

Ab dem 20. November, ca. 22 Uhr, steht nun noch einmal eine Sperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Strausberg-Vorstadt und Strausberg-Nord an. Bis zum Betriebsschluss am 30. November fahren ersatzweise Busse, damit der 2,2 Kilometer lange Begegnungsabschnitt zwischen Strausberg und Hegermühle komplettiert werden kann. Die nördliche Weiche vor Hegermühle muss über die neue Brücke an das verlegte zweite Gleis angebunden werden. Anschließend werden das neue Elektronische Stellwerk und die neue elektronische Zugsicherungstechnik ZBS in Betrieb genommen und getestet.

Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember wird dann der 20-Minuten-Takt nach Nord aufgenommen. Die S-Bahn will das Ereignis mit ihren Fahrgästen am dritten Advent feiern. Zwischen Strausberg und Strausberg-Nord könne das Angebot kostenlos getestet werden, teilte die Deutsche Bahn mit. Auch Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider und Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler würden teilnehmen, hieß es. Die Bürgermeisterin hatte bereits die Stadtverordneten zur Erstfahrt gegen 11 Uhr ab Bahnhof Strausberg (Vorstadt) eingeladen.

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